Mädchen AG-vegetarisch Kochen

Warum?
Der Ganztag bietet die besondere Chance, die Jugendlichen über einen längeren Zeitraum in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu begleiten und zu stärken. Im Schulalltag finden die speziellen Lebenslagen von Mädchen oftmals keinen Platz: In ihren Klassen sind sie meist nicht nur zahlenmäßig in der Minderheit – sondern werden auch sonst von den Jungen dominiert. Zuhause sieht es bei vielen nicht anders aus. 

Vorgeschichte/ Ausgangssituation:
Begonnen hatte alles mit dem Debattier-Club, den die Jugendsozialarbeit im Rahmen des Ganztags anbot. Hier hatte sich, ohne dass das Angebot explizit für Mädchen ausgeschrieben war, eine reine Mädchen-Gruppe zusammen gefunden, die in Bezug auf Herkunft und persönlichen Ansichten sehr bunt gemischt war. Durch verschiedene Rollen-Spiele, spontane sowie vorbereitete Pro-Contra-Debatten, mit und ohne Kamera lernten die Mädchen sich nach und nach besser kennen. Sie diskutierten hart in der Sache – wenn es jedoch persönlich wurde, verstummten sie viel zu oft. Daher war klar, dass es ein spezielles Mädchenangebot im Ganztag braucht.
 

Umsetzung/ Methoden:
Anknüpfend an diese positiven Erfahrungen bot Südstadt e.V. im folgenden Schuljahr eine vegetarische Koch-AG an. Die Idee war es, über eine konkrete Aktion – wie Kochen und gemeinsames Essen, persönlicher miteinander Gespräch zu kommen.  Zunächst sorgte die AG Leiterin für die Rezepte, den Einkauf  und die Themen. Doch von Mal zu Mal tauten die Mädchen auf: Hier ging es um „Verliebtsein“ und Zwangsheirat, was tun bei ungewollter Schwangerschaft, aber auch um Familie, Hochzeit, Styling und ihre ganz persönlichen Erlebnisse und Lebensträume.

Auf Initiative der Mädchen haben sie ihre Koch-AG im darauffolgenden Schuljahr als weitestgehend selbstständig weitergeführt. Sie führten die gemeinsamen Rituale fort, nur das nun die Mädchen selbst für den Einkauf, das Kochen und den Abwasch sorgten. Die Jugendsozialarbeiterin war als Gast aber immer noch gern gesehen: Dann wurden Aktionen geplant: wie z.B. ein gemeinsamer Theaterbesuch oder ein Essen in einem vegetarischen Restaurant. Am wichtigsten war den Mädchen jedoch die gemeinsame Fahrt, die sie zum Abschluss ihrer intensiven Zeit planten. Um die oftmals besorgten strengen Eltern zu überzeugen, wurde zunächst einmal mehr gemeinsam gekocht und zum Essen geladen. Mit Erfolg!

 Rahmenbedingungen/ Kooperation:
Anfänglich fand die AG noch in der ungemütlichen Schulküche statt. Doch aus Gründen der Überbelegung musste schon bald ein neuer Ort gefunden werden. Hier bot sich der benachbarte Jugendclub UFO an. Seit nun mehr 1,5 Jahren treffen sich die Mädchen dort zum wöchentlichen Kochen. Eine gemütliche Küche außerhalb der Schule und ein selbst gekochtes Mittagessen mit Freundinnen schaffen eine sehr viel zwanglosere Atmosphäre, um persönlich ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig war es für die vegetarische Koch-AG zunächst wichtig, das Angebot kostenfrei für die Mädchen anbieten zu können.

Ausblick:
Die Abschlussfahrt bildet den Höhepunkt. Die Mädchen werden sich hier nochmals gezielt mit ihren Zukunftsträumen und Wünschen auseinandersetzen. Das Ziel ist es mit all diesen kleinen und großen Aktionen, die Belange dieser Mädchen in den Mittelpunkt zu rücken. „Mädchen in Neukölln“  - so lautet der vorläufige Arbeitstitel, dem die Jugendsozialarbeit eine Ausstellung widmen möchte.