10.12.2021

Weihnachtsaktion von Schülerinnen und -schülern der Gemeinschaftsschule

Eine Herzensangelegenheit von Schülerinnen und Schülern der Klasse 9a der Gemeinschaftsschule Campus Efeuweg: Auch in diesem Jahr nehmen Schüler und Schülerinnen der Gemeinschaftsschule wieder an einer großen Weihnachtsaktion teil: Sie malen, schreiben Briefe, basteln kleine Geschenke und Weihnachtsschmuck für Bedürftige, Senioren und in diesem Jahr auch für das Ricam-Hospiz in Neukölln.

Nacheinander besuchen die Schüler und Schülerinnen mehrere Senioren-Einrichtungen, schmücken Weihnachtsbäume mit selbstgebasteltem Schmuck und singen Weihnachtslieder für Bewohnerinnen und Bewohner. Die Lehrerinnen Anja & Marie Chrzanowski vom Literaturclub an der Gemeinschaftsschule am Campus haben die Aktion beschrieben:

„Im letzten Jahr begannen unsere Schüler mit dem Projekt: Weihnachtsbriefe für das Haus Rudow – einem Heim für Demenzkranke. Die Schülerinnen und Schüler malten, bastelten und schrieben über 300 Weihnachtsbriefe für die Heimbewohner und deren Mitarbeiter/innen. Gerade durch die Corona- Zeit waren die Bewohner abgeriegelt von der Außenwelt und viele verlebten einsame Advents- und Feiertage. Dem wollten wir entgegenwirken, einfach mit kleinen Geschenken und selbstgebastelten Karten. Mit Weihnachtsliedern übergaben wir diese und erfuhren viel Dankbarkeit und sahen in glückliche Gesichter. Das wollten wir dieses Jahr fortsetzen und starteten im August unsere Weihnachtsaktion in der Gropiusstadt.

Wir suchten Sponsoren, die uns tatkräftig unterstützten. Jede Woche stand unter einem Motto: Nudelwoche, Kekswoche, Zahnpflegewoche, Duschbadwoche, Adventskalenderwoche und anderes mehr. Die Kinder brachten in der entsprechenden Woche Spenden mit, von ihren Eltern oder vom Taschengeld. Langsam füllten sich unsere Schränke. Um den Schülerinnen und Schülern Nächstenliebe auch praktisch zu vermitteln, helfen jeden Montag drei Kinder in der Dreieinigkeit bei „Laib und Seele“, putzen Gemüse und geben Lebensmittel an Bedürftige aus.

Am 29.11. nahmen unsere Schülerinnen und Schüler 50 Adventskalender für die Kinder bei „Laib und Seele“ mit. So erfuhren sie hautnah, wie viele Bedürftige Menschen es in unserer Nachbarschaft gibt. Samstags helfen sie jetzt im Kältecafé für Obdachlose in der St. Dominicus in der Lipschitzallee mit.

Im Ethikunterricht sprachen wir über Nächstenliebe: Nächstenliebe bedeutet, dass man seine Mitmenschen so annehmen soll, wie sie sind, und dass man ihnen auf jeden Fall helfen soll. Diesen Grundsatz gibt es eigentlich in allen Religionen, auch wenn er bei manchen vielleicht etwas anders heißt. Wir sprachen darüber, wer denn nun so genau dieser „Nächste“ sei. Wer unser Nächster ist, hängt nicht davon ab, zu welchem Volk er gehört. Es geht einzig und allein darum, wer Hilfe braucht.

Wir kamen zu dem Schluss, dass sich die Schülerinnen und Schüler ihren Mitmenschen gegenüber so verhalten sollen, wie sie selbst behandelt werden möchten. Wenn wir also sehen, dass jemand Hilfe braucht und wir können demjenigen helfen, dann sollten wir das auch tun. Und zwar, ohne vorher Bedingungen dafür zu stellen oder eine Gegenleistung zu erwarten. Es müssen nicht immer große Gesten sein. Oft reichen auch schon Kleinigkeiten aus. Und um diese Gesten und Kleinigkeiten geht es im Alltag. Wie oft schauen wir weg, weil wir gewisse Dinge nicht sehen wollen, da es ja belastend sein könnte. Wie oft denken wir nur an uns oder beschweren uns über Nichtigkeiten. Wer anderen Gutes tut, opfert nicht nur seine Zeit, sondern bekommt auch viel zurück. Das sollte unser Weg sein.

Wir besprachen unterschiedliche Wege der Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe, beschäftigten uns mit dem Hospiz im Orchideenweg und warum solche Einrichtungen unerlässlich für die Gesellschaft sind. Hospiz ist vom lateinischen Wort „hospitium“ abgeleitet und bedeutet Herberge und Gastfreundschaft. Die moderne Hospizbewegung knüpft an eine christlich-mittelalterliche Tradition an. Hospize waren Herbergen entlang von Pilgerwegen. Das Leben galt ganz selbstverständlich als Reise und man verstand sich selbst als Gast auf Erden. In den Hospizen erhielten Pilger Stärkung, Schutz, Pflege und Hilfe. „Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig, und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben können.“ Cicely Saunders (Begründerin der Hospizbewegung)

Unsere Schülerinnen und Schüler setzten sich damit auseinander und konnten letzte Woche das Hospiz im Orchideenweg (natürlich nur von außen) sehen. Sie waren gerührt von der Stille und Geborgenheit dieses Ortes, vom schönen Garten und einigen Gästen, die sie auf der Terrasse ansprachen und so lebenslustig mit ihnen scherzten. Irgendwie hatten sie doch einen düsteren, angsteinflößenden Ort vermutet. Aber hier herrscht Wärme und Zuversicht.

Von den gesammelten Spenden kauften wir für das Hospiz einen Weihnachtsbaum und schmückten diesen am 1. Dezember draußen vor dem Eingang. Dabei wurden wir von den strahlenden Augen der Gäste hinter den Fenstern verfolgt. Als wir fertig waren, gab es Applaus von den Bewohnern und ein zartes Dankeschön aus einer halbgeöffneten Tür. Das war ein besonderer Moment für alle

Am Nachmittag des 1. Dezembers stellten wir einen zweiten von uns gekauften (und sehr schweren) Weihnachtsbaum im Innenhof vom Seniorenwohnheim Haus Rudow auf und schmückten ihn unter weihnachtlichen Klängen mit selbst gestalteten Kugeln, begleitet von Applaus und lieben Wünschen der Bewohner aus den Fenstern. Auch dies war für alle sehr bewegend.

Am nächsten Tag ging es nach der Schule zum Wohnstättenwerk für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung in der Lipschitzallee. Dort stand schon unser 3,90 m großer Baum vor dem Eingang, den wir hier unter Einhaltung aller Hygieneregeln gemeinsam mit Bewohnern schmückten. Dann verteilten wir für jeden Bewohner die Adventskalender, die wir gesammelt und gekauft hatten, über 150 Kalender. Die Bewohner freuten sich sehr, drückten ihre Kalender fest an sich und strahlten uns an.

Es gab für alle Kinderpunsch und Weihnachtsleckereien und gemeinsam sangen wir mit Pfarrerin Nora Rämer weihnachtliche Lieder. Danach ging es zum Hilda-Heinemann-Haus, um auch diesen Bewohnern eine Freude mit Adventskalendern zu machen. Am nächsten Tag machten wir in unserer Weihnachtswerkstatt in der Schule weiter: Wir malten und schrieben Weihnachtskarten, packten Geschenktütchen für das Obdachlosencafé, für das Hospiz, für die Bewohner des Wohnstättenwerkes. Bis Weihnachten müssen wir noch viele Päckchen, Tüten und Jutebeutel füllen. Dabei bekommen wir Hilfe von unseren kleinen Weihnachtselfen und Wichteln der Klasse 2b und 2c.

Diese Überraschungen werden wir mit unseren über 500 Weihnachtsbriefen am 16., 17. und 18. Dezember verteilen. Wir sind schon gespannt. „Wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie nicht besonders glanzvoll oder spektakulär. Aber sie ist immer da. Vater und Söhne, Mütter und Töchter, frisch Verliebte…“ (Film „Tatsächlich Liebe“ 2003)

 

Unser ganz besonderer Dank geht an: Gropius Wohnen, Degewo Berlin, DM Filialen Rudow und Wutzkyallee, Polski Sklep – U Grzesia Lipschitzallee, Familie Durmus, Familie Aydin, Herr Dreyer, Familie Mohammad (Maroouf), Frau Boral, Frau Borchert, Kochkurs 10. Klasse Campus Efeuweg, Frau Neuhaus, Klasse 1a,  Klasse 2b, Klasse 2c, Klasse 5a,  Klasse 6a, Klasse 7c, Klasse 10b, Willkommensklasse, Herr Hock, Herr Unger (Hausmeister), Frau Danielson, Frau Döpke, Frau Hermann und ihre Hortkinder und Helfer, Frau Hrobarikova, Frau Lambuley, Frau Patzig, Frau Tacheva-Hühn und die Neuköllner Bildungsstadträtin Karin Korte, Familie Witkowska, Familie Shabani, Familie Puhlmann, Familie Haase, Familie Krischke, Familie Andjelkovic, Familie Gaczioch, Bolor Hausmann

… und ein Riesen-Dankeschön auch an alle fleißigen Weihnachts-Maler!!“